Starke Einfälle

Spritzige Fahrten (1/3)

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Ja, da stand mir nun das achtzehnte Lebensjahr bevor und schon fieberte ich dem langersehnten Führerschein entgegen. Allerdings musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass mir das Einparken nicht im Mindesten gelingen wollte und mir deshalb arge Kopfschmerzen bereitete.

Ebenso brachte ich meinen Fahrlehrer in fast jeder Fahrstunde mühelos zur Verzweiflung, allein schon deshalb, weil ich seinem erbetenen Abbiegemanöver nicht Folge leistete.

Wünschte er, dass ich mich an einer Ampel links einordnete, stand ich prompt auf der Rechtsabbiegerspur. Sollte ich dann an der übernächsten Ampel tatsächlich rechts abbiegen, stand ich wie eine eins auf der Linksabbiegerspur.

Mein Fahrlehrer war wirklich die Ruhe selbst, aber beim dritten Fehlschlag seiner Anordnung konnte er seinem Unmut beim besten Willen nicht mehr Einhalt gebieten. „Fräulein Kogel, jetzt haben Sie bereits das dritte Mal meine Anweisungen missachtet und stehen immer dort, wo Sie nicht hingehören! Verflixt aber auch!“ Am liebsten hätte ich ihm geantwortet: „Aber Herr Jahnke, es führen doch viele Wege nach Rom!“

Da mein süßer, kleiner Fahrlehrer jedoch kurz davorstand die Nerven zu verlieren und ich ausgerechnet heute keine Betablocker zur Hand hatte, verkniff ich mir den Witz, setze aber glatt noch eins drauf und sagte voller Überzeugung: „Und Einparken kann ich auch nicht. Das wird mir in der Fahrprüfung voll das Genick brechen!“

Ich glaube, wenn „Meister Jahnke“ nicht so klein und zierlich gewesen wäre, hätte der gewaltige Adrenalinschub in ihm spätestens jetzt seinen Sicherheitsgurt gesprengt und er wäre wie eine Rakete durch die Windschutzscheibe geschossen. Jahnke hatte es auch ohne akrobatische Einlage ziemlich mitgenommen. Gottlob erlangte er nach wenigen Herzaussetzern seine alte Form wieder, dem sodann eine unheilvolle Prognose folgte:

„Merken Sie sich eins Fräulein Kogel, wer bei mir Fahrstunden nimmt, der kann parken und zwar für den Rest seines Lebens!“ Dieser Satz saß. Im Stillen hoffte ich nur, dass er mir damit nicht zu viel versprochen hatte. Was dann folgte, war für einen Fahrschüler der nackte Wahnsinn.

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