Starke Einfälle

Riesenmarktschirm Teil 1

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Es gab da noch eine Geschichte mit einem riesigen Marktschirm, den meine Eltern zur Sommerzeit immer an der Terrasse des Gartenhäuschens befestigten.

Mein Vater war ein sehr guter Organisator. Irgendwann im Sommer hatte er diesen Schattenspender erworben und kam eines Nachmittags freudig mit dem riesigen Schirm in den Garten stolziert.
Aufgrund seiner Übergröße passte er natürlich in keinen normalen Schirmständer hinein, so dass mein Vater gezwungen war, eine besondere Halterung an der Terrassenmauer zu installieren. Seitdem zierte dieses exorbitante Schirmteil unser Gartenhäuschen. Es versteht sich von selbst, dass die Errungenschaft dieser seltenen Zierde fortan das Tagesgespräch in unserer Gartenkolonie war. Neigte sich nun der Tag zu Ende oder drohte eine Schlechtwetterfront uns heimzusuchen, wurde der Sonnenschirm sogleich in Sicherheit gebracht. Das war leichter gesagt als getan, denn dieses Teil war so schwer, dass meine Mutter jedes Mal unser Familienoberhaupt um Mithilfe bitten musste, um es aus der Verankerung zu hieven.

Eines Nachmittags zog urplötzlich eine Gewitterfront auf und meine Mutter bat mich, – gerade einmal vierzehn Jahre alt – , diesen ominösen Gartenschirm vorsichtshalber hereinzuholen. Welches Unterfangen, wenn sie selbst es normalerweise nicht einmal im Alleingang schaffte, aber nun gut. Alle für einen, einer für alle.
Als ich mühselig versuchte diesen schweren Marktschirm zusammenzuklappen, schoss just in dem Moment eine derart heftige Windböe unter den aufgespannten Schirmmantel, zog das Riesenteil mit einer Wucht aus der Verankerung und war im Begriff meine Wenigkeit mit hinauf in die Luft schweben zu lassen, wie einst den Struwwelpeter. Jetzt hieß es ‘dead or alive‘. Da meine wenigen Kräfte denen des Sturmes nichts entgegenzusetzen hatten, trennte ich mich geistesgegenwärtig von unserem geliebten Schattenspender, bevor dieser zwangsweise das Weite suchte. Hierdurch und konnte ich gerade noch rechtszeitig größeres Unheil von mir abwenden. Ja, und da war er auch schon weg, der Schirm, weg ins Nirwana!

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